Hoyer „3060“ von Andreas Polte



Andreas Polte
Die Gitarre stammt laut Norbert Schnepel aus dem Jahr 1970 / 1971. Die Seriennummer lautet 25992. Hoyer baute Gitarren von sehr hohem handwerklichen Standard.

Neben teilweise kurios anzuschauenden eignen Stilkreationen, die aber nichtsdestotrotz hochwertige Gitarren waren,
baute Hoyer aber auch „Kopien“ von berühmten Gitarren. Viele dieser Kopien sind besser als die Originale.

Diese hier wurde 1979 von einem Amateurgitarristen gebraucht bei Viertmann in Köln erstanden. Über die Zeit davor
ist leider nichts bekannt. Danach stand sie bis Dezember 2004 im Wohnzimmer und wurde glücklicherweise regelmäßig gespielt. Ab diesem Datum wechselte sie in ein anderes Wohnzimmer und später gegen eine andere Archtop in Zahlung gegeben.

Diese Hoyer 3060 ist, grob gesagt, eine handwerklich großartige „Kopie“ einer Gibson L4 (also einer ES 175 mit Fichtendecke und besserer Aus-führung).

Die Mensur beträgt 63 cm (L4: 62,8). Im Gegensatz zur L4 hat die 3060 jedoch eine Zargenhöhe von 9,5 cm (L4: 7,5-8cm). Boden und Zargen sind aus massivem Ahorn (L4: Mahagoni), die Decke ist aus fein gemaserter massiver Fichte geschnitzt. Der Korpus ist fünf-lagig eingefasst; auch das F-Loch hat eine einlagige weiße Einfassung. Der Saitenhalter ist eine Hoyer-eigene Konstruktion und tut seinen Dienst gut. Er vermeidet augenfällig Verwechslungsgefahr mit dem Original.

Die Lackierung in „Tobacco-Sunburst“ ist sauber und sorgfältig ausgeführt.Die Halsbreite beträgt im ersten Bund 4,3 im 12. Bund 5,2 cm. Der Hals hat eine sehr angenehme D-Form und liegt gut in der Hand; man fühlt sich sofort Wohl darauf. Er besteht aus 25 Lagen zusammengeleimtem Ahorn. Gegner dieser Verarbeitungsform gibt es durchaus.
Man muss allerdings sagen, das dieser nun seit 25 Jahren bespielte Hals auch nicht die Spur einer
Krümmung zeigt; er ist absolut perfekt. Das aus Ebenholz gefertigte Griffbrett hat blockförmige
Inlays (so wie eine L5! Hier gab uns Hoyer vielleicht einen Hinweis darauf, welche Richtung er mit dieser Gitarre einschlagen wollte).

Die Kopfplatte ist relativ klein und optisch angenehm und wird geziert vom Hoyer-Schriftzug sowie einem „Crown-Inlay“ (so wie bei der L4) mit integrierter Schrift „EST.1874“ (Also dem Datum der Firmengründung). Die Abdeckplatte führt die Modellbezeichnung der Gitarre „H 3060“. Die Mechaniken sind gut gängige und zuverlässige Grovers, was uns wieder
zurück zum Original bringt. Bestückt ist die 3060 mit zwei Humbuckern, die recht gut klingen. Wenn man die Gitarre nicht im
Originalzustand belassen und den elektrischen Sound noch verbessern möchte, kann man andere PU’s einsetzen (z.B. Gibson 57 Classic ); wirklich nötig ist es aber nicht. Das einzig ärgerliche an der Gitarre ist, dass diese Humbucker nicht genau parallel zu den Saiten liegen, sondern auf Grund der starken Deckenwölbung leicht schräg dazu, bei dem ansonsten hohen Verarbeitungsstand dieser Gitarre hätte Hoyer wirklich entsprechend angepasste PU-Rahmen nehmen sollen.

Der akustische Klang ist mächtiger, als die Größe der Gitarre zunächst erscheint, dabei aber nuancenreich transparenter und reicher in den Höhen. Dies wird wohl, gemessen am Original, erreicht durch die tiefere Korpusform und den Einsatz von Ahorn bei Zargen und Decke anstelle von Mahagoni. Tatsächlich klingt sie dezent in der Mitte zwischen einer L4 und einer L5. Elektrisch kommt dies gut rüber (gespielt mit AER-Accousticube II und Polytone Minibrut).
Dies dürfte, anhand der erwähnten Indizien dargestellt, auch der Sinn dieser Gitarre für Hoyer gewesen sein.

Fazit: So wie die Gibson L4 eine noblere und bessere Variante der Gibson ES 175 ist, so kann man sagen, das die Hoyer 3060 eine in Richtung L5 verbesserte L4 ist.


Bei dem Wert sind sich Norbert Schnepel und der Verfasser grob einig:
rund 1.000,00 EUR sollte man dafür ausgeben dürfen.
Das ist im Verhältnis zu einer L4 ein Taschengeld. Wer eine 3060 günstiger bekommen kann, macht keinesfalls einen Fehler.”


Andreas Polte 14.12.2004


 
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